Artists: Monoblock B

Silvio Tommasini
MONOBLOCK B

Klänge wie Alufolie an den Zähnen

«Es ist wie Alufolien kauen ... nur viel besser.» Dieser Satz steht am Ende einer Pressemitteilung, welche Silvio Tommasinis neuen Sound umschreibt. Wer je auf Alufolie gebissen hat, der weiss: Besonders easy und entspannend fühlt sich das nicht an, es ähnelt einem schwachen Stromschlag, der durch Mark und Bein fährt. Das Erschaffen musikalischer Entspannungswelten war aber auch noch nie Tommasinis Thema. Wann immer er sich in sein Alter Ego Monoblock B verwandelte, drosch er wie ein Berserker auf seine Geräte ein und predigte dazu eine Art Vocoder-Dadaismus - und das Publikum drehte früher oder später durch. Deshalb darf man getrost konstatieren: Die Alufolien-Metapher passt perfekt - auch zu den jüngsten, von einer psychedelischen Rhythmik à la Front 242 angetriebenen Elektropunk-Bastarden, die Monoblock B für sein neues Doppelalbum «Teatime in Medellin» produziert hat.

Melancholischer Berserker

«Der Titel ist eine Reverenz an die spannenden Tage und Nächte, die ich im letzten Jahr mit Freunden vom Label Spezialmaterial in einem Haus unweit dieser kolumbianischen Stadt verbracht habe», erklärt Tommasini. Dort seien nicht nur neue Stücke entstanden, das Album als Ganzes sei da auch zu neuem Leben erwacht - und zwar wortwörtlich. Tommasini: «Der Entstehungsprozess hat volle sieben Jahre gedauert, das Projekt war definitiv oftmals mehr tot als lebendig. Soundfiles gingen verloren, der Computer ging kaputt, und als ich das Material wieder beisammen hatte, wurde es gestohlen. Es war echt verrückt.»
Gleichwohl, sagt der in Singapur geborene und im Toggenburg sowie im Dreiländereck aufgewachsene Thirtysomething, habe diese aufwühlende Zeit nicht nur das Album, sondern auch ihn geprägt. «Ich bin nachdenklicher und ruhiger geworden.»

Zwischen Drama und Thriller

Man könnte auch sagen: melancholischer. Was Monoblock-B-Fans wohl nie für möglich gehalten hätten, ist nämlich Tatsache geworden: Ihr Held hat für Teil zwei von «Teatime in Medellin» sieben trippige Ambient-Tracks eingespielt! Ruhig und wehmütig in der Grundstimmung, oft verstörend in der Kolorierung, eine Art Soundtrack zwischen Drama und Psychothriller, geschult an Altstars wie Angelo Badalamenti, Brian Eno oder Aphex Twin. Das ist wie aus dem 97. Stock eines Wolkenkratzers springen ... nur viel besser.

Text:  Tomas Wyss, für Züritpp

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